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1993/12/31 Telekommunikation in Österreich
DIR Teil I: Das globale Dorf beginnt in Ost-Galizien

Teil I: Das globale Dorf beginnt in Ost-Galizien

Die historische Entwicklung der Telekommunikation in Österreich

1847 wird auf Betreiben der kuk-Armee das Telegraphenwesen an eine Bewilligung des österreichischen Kaisers gebunden. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es eine durchgängige Tradition der staatlichen Kontrolle und Regelung von Telekommunikation.

Der IST-Zustand ist durch ein auffälliges Fehlen einer Telekommunikationskultur oder auch nur einer umfassenden und integrierten Telekommunikationsordnung, z.B.: in legistischem Sinne, geprägt. Während in den USA Millionen Privathaushalte - mit all ihren negativen und positiven Konsequenzen - ganzselbstverständlich Datennetze zur privaten Lebensführung benutzen (Konsum, Freizeitplanung, politische Meinungsäußerung, Jobsuche, ...) sind diese Möglichkeiten in Österreich selbst in gut gebildeten Schichten nahezu unbekannt. Statt dessen werden staatliche Grundhaltungen, die wesentlich von denErfahrungen der 1848-Revolution in der kuk-Monarchie geprägt waren, tradiert und nur zögernd auf moderne gesellschaftliche und wirtschaftliche Gegebenheiten angepaßt.

Damit ergibt sich die widersprüchliche Situation, daß einerseits der Bundesgesetzgeber den Anspruch erhebt, den gesamten Telekommunikationsverkehr zu regulieren - er produziert dabei eine Überfülle von Einzelregelungen - andererseits auf die raschen technischen und organisatorischen Veränderungender modernen Kommunikationstechnologie nur mit großen Zeitverzögerungen reagiert. Damit können die Modernisierungs- und Rationalisierungspotentiale im Bereich neuer Kommunikationsdienste nicht oder nur verzögert genutzt werden.


Beginn Kasten


Gesetze/Verordnungen zur Telekommunikation


'graue' Post (= Informationstransport):


Fernmeldegesetz (FG 1949) (Neufassung wird beraten)


Gerätespezifische Regelungen:


Bildübertragungsordnung (1965)(1)


Fernschreibverordnung (1955)(1)


Fernsprechordnung (FSprO 1966)(1)


Telegraphenordnung (TelO 1964)(1)


Amateurfunkverordnung (1954)(1)


Privatfernmeldeanlagengesetz (PFMAG )(2)


Privatfernmeldeanlagenverordnung (1961)(1)


'Wirtschafts'gesetze:


Fernmeldegebührengesetz (FMGebG 1970) regelt die 'Einnahmenseite'


Fernmeldeinvestitionsgesetz (FMIG 1971) regelt die 'Ausgabenseite'


Sonstige Detail-Regelungen:


Funker-Zeugnis-Verordnung (1967)(1)


Funknachrichtenverordnung (1955)(1)


Rundfunkgesetz (RFG 1984)


Rundfunkverordnung (1965)(1)


Telegraphenwegegesetz (TWG 1929)


Sonstige allgemeine Regelung


Datenschutzgesetz (DSG 1978)


Strafrecht (StGB)


ad (1) Ursprünglich als Verordnungen auf der Basis des FG erlassen. VfGH hob 1972 den entsprechenden Passus im FG auf (Par.3 Abs.1 2.Satz). In einem eigenen Bundesgesetz (BGBl. 267/72) werden die Verordnungen in Gesetzesrang erhoben.


ad (2) Umfaßt alle Anlagen, außer Amteurfunkanlagen ( Amateurfunkverordnung) und Rundfunkempfangsanlagen ( Rundfunkgesetz): Es herrscht grundsätzlich Bewilligungspflicht (Ausnahmen bzw. generelle Bewilligungen möglich), bei Nutzung durch Behörden oder innerhalb eines Grundstückes besteht nurAnzeigepflicht.


Nicht zur Telekommunikation im engeren Sinn gehörend:


Klassische ('gelbe') Post (= Brief-, Paket- und Personentransport):


Postgesetz (PostG 1957/58)


(Zahl in Klammer = Jahr der Verabschiedung des Gesetzes, nicht berücksichtigt sind seitherige Novellen)


Ende Kasten


Telekommunikation wird in Österreich immer noch im wesentlichen mit der staatlichen Organisation und Überwachung der Funkaktivitäten und der leitungsgebundenen Gesprächskommunikation (Telefonie) gleichgesetzt. Der Betrieb von Funkanlagen wird als strategisches Kernstück der österreichischenKommunikationsordnung angesehen, wobei unberücksichtigt bleibt, daß längst eine Reihe von Institutionen mittels terrestrischer und extraterrestrischer Anlagen und Diensten lokale Kommunikationsbedürfnisse ohne Berücksichtigung der österreichischen Rechtsordnung erfüllen.


Mit der raschen Ausbreitung von EDV-Systemen, bedingt durch Faktoren wie internationale Arbeitsteilung, durch die Notwendigkeit des gesicherten Transports von Waren, Finanzmittel und Informationen, ergeben sich rasch wachsende Kommunikationsbedürfnisse. Die Verwertung und der Transport vonInformation wurde in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zu einem eigenständigen, gewinnbringenden Wirtschaftszweig.


Damit kam die Republik Österreich im Zusammenhang mit den Telekommunikationsdiensten in eine zwiespältige Situation.


Die primären Regelungsansätze zielten auf eine staatliche Sicherung des Nachrichten- und Informationsmonopols. Dieser obrigkeitsstaatliche Anspruch wurde im Lauf der I. und besonders der II. Republik nach und nach durch einen - demokratisch legitimierten - Versorgungsanspruch ersetzt. Alle Bewohnersollten einen Zugang zu annähernd gleichen Kosten und Bedingungen zu Funkeinrichtungen (gemeint sind Funkempfangsanlagen) und Fernsprecheinrichtungen haben.


Dabei fanden auch Aspekte der gleichmäßigen Beschäftigung der österreichischen Wirtschaft Berücksichtigung. Die großen fernmeldetechnischen Aufträge (z. B. Produktion der Telefonapparate, der Vermittlungsämter nach dem II. Weltkrieg oder die Umstellung auf OES) wurden dabei immer streng nachKapazitätsschlüsseln auf die 'großen' vier Kommunikationsbetriebe aufgeteilt: Alcatel (früher: ITT), Siemens, Kapsch und Schrack. Auch hier nahm man bewußt ein - im internationalen Maßstab - höheres Preisniveau in Kauf, wenn dafür österreichische Produktionsstandorte gesichert werden konnten.


Verfassungsbestimmungen zur Telekommunikation


Art. 10 Abs. 1 Z. 9 B-VG:


'Bundessache ist die Gesetzgebung und die Vollziehung in folgenden Angelegenheiten:


... 9. ... Post- und Fernmeldewesen.'


Art. 54 B-VG:


'Der Nationalrat wirkt an der Festsetzung von Eisenbahntarifen, Post- und Fernmeldegebühren und Preisen der Monopolgegenstände sowie von Bezügen der in Betrieben des Bundes ständig beschäftigten Personen mit. Diese Mitwirkung wird durch Bundesverfassungsgesetz geregelt.'


Art. 102 Abs. 2 B-VG:


'... (2) Folgende Angelegenheiten können im Rahmen des verfassungsmäßig festgestellten Wirkungsbereiches unmittelbar von Bundesbehörden versehen werden:


....., Post- und Fernmeldewesen, ...'


Der Bereich der 'grauen' Post wurde den Aufgaben der 'gelben' Post nachgebildet. Wirtschaftliche Erwägungen, daß heißt das Erzielen von Gewinnen aus der Informationsvermittlung oder die Reorganisation/Modernisierung von Waren- und Verkehrsströmen, die Rationalisierung von Produktionsabläufenspielten dabei eine untergeordnete Rolle.


Der internationale Aufschwung der Telekommunikation führte jedoch in den 80er Jahren auch in Österreich zu erheblichen Gewinnen der 'grauen' Post, der Telekommunikationsbranche.


Was 1847 als Schutzmaßnahme einer mitteleuropäischen Großmacht gegen separatistische Bewegungen der Kronländer begann, führte ab 1980 zu einem gewinnbringenden staatlichen Unternehmen. Aus einer Institution mit vornehmlich hoheitlichen Funktionen (Überwachung des Kommunikationszugangs) wurde einZwitter mit betriebswirtschaftlichen und hoheitlichen Aufgaben.


Organisatorisch ist die 'Post' (= Österreichische Post- und Telegraphenverwaltung) als Sektion III dem Verkehrsministerium zugeordnet. Der 'Generaldirektor' der PTV steht im Rang eines Sektionschefs. Die Sektion III hat dabei eine Reihe von gesetzlichen Überwachungs- und Zulassungsaufgaben zuübernehmen, die die PTV kontrollieren sollen. Im Zusammenhang mit der PTV bestand bis Ende 1992 die Situation, daß ein wirtschaftlich agierender Betrieb sich selbst kontrollierte und auch die Marktsituation definieren konnte.


Es lassen sich eine Fülle von Beispielen für diese Zwitterrolle finden:


(a) So kann bisher die Sektion III festlegen, in welchen Bereichen die PTV alleiniger Anbieter von Fernmeldegeräten ist (Fernschreiber, 1. Telefonapparat), in welchen sie selbst Anlagen verkauft, aber Mitbewerber zuläßt (Telefonnebenstellenanlagen) und in welchen sie keine Fernmeldegeräte anbietet,sondern nur Zulassungen vergibt (Faxgeräte, Mobiltelefone).


(b) Weder über die Verwendung der Betriebserlöse (Ausgaben), noch über die Gestaltung der Gebühren (Einnahmen) kann die PTV als Betrieb entscheiden. Beide Seiten werden per Gesetz (FMIG und FMGebG) geregelt. Dabei werden verschiedenste tagespolitische, parteipolitische, sozialpartnerschaftliche,volkswirtschaftliche und soziale Interessen berücksichtigt. Besonders auffällig ist dabei die extensive Quersubvention von 'gelben' - verlustbringenden - Postdiensten mittels Telekommunikationseinnahmen. Aufgrund der schlechten Budgetsituation wurde auch die Zweckbindung der Einnahmen aus denFernmeldegebühren laufend verringert. Betrug die Reinvestitionsquote 1987 noch 34% (d.h. 34% der Telekommunikationseinnahmen mußten in die Modernisierung der Infrastruktur investiert werden), sank diese Quote 1991 auf 32%, derzeit ist eine weitere Absenkung im Gespräch.


Überschüsse sind an den Eigentümer (die Republik Österreich abzuführen), mit der Konsequenz, daß die notwendigen Investitionsvorhaben mit Fremdkapital finanziert werden. Allein 1992 mußten zusätzliche 12 Mrd. öS an Fremdmittel aufgebracht werden, womit sich der Schuldenstand des - theoretisch -hochaktiven Betriebes PTV auf fast 82 Mrd. öS erhöhte (1992).


(c) Trotz der enormen Größe des 'Betriebs' PTV (Umsatz 1992 ca. 53 Mrd. öS) existierte bisher keine betriebswirtschaftliche Kostenrechnung, sondern bloß eine kameralistisch geprägte Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, wie sie für Hofkanzleien typisch war.


Für die Benutzer der Telekommunikationseinrichtung hat diese Zwitterrolle eine Fülle von Vor- und Nachteilen.


Als entscheidender Vorteil muß der nach dem II. Weltkrieg rasche Aufbau einer Grund-Infrastruktur im Telefonsektor genannt werden.


Wirtschaftliche Position der ÖPTV im Bereich Telekommunikation


60.000 Beschäftigte


davon 18.000 Personen im Fernmeldesektor


36 Mrd. öS Gebühreneinnahmen im Fernmeldebereich


0,077 Mrd öS Telegraph


1 Mrd öS Text- und Datentechnik


31 Mrd öS Fernsprechen


0,9 Mrd öS Funk


3 Mrd öS sonstige Kommunikationseinrichtungen


16 Mrd. öS Investitionen im Fernmeldesektor


4 Firmen beliefern die Post mit Infrastruktureinrichtungen und Endgeräten:


Kapsch 35%


Siemens Nixdorf 25%


Alcatel 25%


Schrack 15%


(Stand: Ende 1992)


Die wichtigsten Nachteile sind jedoch:


Aufgrund der bürokratischen und restriktiven Zulassungspraxis im Endgerätesektor kommt es zu relativ hohen Endgerätekosten. Österreichische Benutzer bezahlen - im internationalen Vergleich - überhöhte Gerätepreise, umgekehrt verhalten sich die österreichischen Gerätehersteller wie in einemgeschützten Markt und können kaum international wettbewerbsfähige Geräte produzieren.


Mittelfristig überhöhte Kommunikationsgebühren, da die Fremdfinanzierung der Fernmeldeinvestitionen wesentlich teurer ist als die mögliche Eigenmittelfinanzierung. Die Telekommunikationsteilnehmer zahlen mit ihren Telefongebühren eine Art 'Budgetsanierungssteuer'.


Aufgrund der bürokratischen Strukturen hinken die Dienste im Bereich der Datenkommunikation den Markterfordernissen nach.


Eine Verbesserung dieser Situation soll einerseits die Neuregelung durch das Fernmeldegesetz 1993 und durch die notwendigen Anpassungen im Zusammenhang mit der Teilnahme am EWR bzw. an der EU bringen (siehe unten).


Das neue Fernmeldegesetz 1993


Die Neuregelung in Stichworten


1. Zweckdefinition


Sicherung der flächendeckenden Versorgung der 'Fernmeldebedürfnisse von Bevölkerung und Wirtschaft'.


2. Definitionen


Fernmeldeanlage: technische Anlagen zur Aussendung, zur Übertragung oder zum Empfang von Nachrichten, sei es Leitungs- oder Funkweg, auf optischem Weg oder mittels anderer elektromagnetischer Systeme.


Öffentlicher Fernmeldedienst: Fernmeldedienst, den jedermann zu gleichen Bedingungen in Anspruch nehmen kann.


Reservierter Fernmeldedienst: Öffentliche Sprachübertragung für Dritte in Echtzeit (Sprach-Telefondienst).


3. Geheimhaltung


Geheimhaltungsverpflichtung von Personen, die im Rahmen der Erbringung öffentlicher Fernmeldedienste Fernmeldeanlagen bedienen.


4. Bewilligungspflicht von Fernmeldeanlagen


Fernmeldeanlagen sind grundsätzlich bewilligungspflichtig. Die Bewilligung erteilt das örtlich zuständige Fernmeldebüro.


Gründe für die Ablehnung einer Bewilligung:


Anlage entspricht nicht dem technischen Stand.


Durch die Errichtung und den Betrieb der Fernmeldeanlage werden wirtschaftliche Interessen des öffentlichen Betreibers so wesentlich beeinträchtigt, daß der Versorgungsauftrag (reservierter Dienst) nicht mehr erfüllbar erscheint.


Ein Verkehrsbedürfnis kann mit nötiger Sicherheit und Schnelligkeit durch das öffentliche Fernmeldenetz entsprochen werden.


Ein Verkehrsbedürfnis kann durch Errichtung entsprechender Leitungswege, deren Kosten nicht wesentlich höher liegen als die beantragten Funkverbindungen, innerhalb angemessener Frist entsprochen werden.


Beantragte Frequenzen stehen nicht zur Verfügung.


Erforderliche Frequenzen können nicht zugeteilt werden.


Bewilligungsfreie Fernmeldeanlagen:


Anlagen zum inneren Dienst einer Bundes/Landesbehörde.


Anlagen des Betreibers öffentlicher Eisenbahnen.


Anlagen örtlich geschlossener Bergbaubetriebe.


Anlagen innerhalb der Grenzen eines Grundstückes (bzw. innerhalb der Grenzen zusammenhängender Grundstücke eines Betreibers).


Anlagen auf österreichischen Schiffen, Luftfahrzeugen usw.


Anlagen, die ausschließlich aus Übertragungswegen des öffentlichen Fernmeldenetzes sowie zugelassener Endgeräte bestehen.


Funkanlagen, die zum Betrieb des öffentlichen Fernmeldenetzes dienen.


5. Zulassung von Endgeräten


Auf Antrag (des Besitzers) durch das örtliche Zulassungsbüro.


Durch eine international anzuerkennende Zulassung.


Durch eine Konformitätserklärung des Herstellers, daß die Zulassungsbedingungen erfüllt werden.


6. Fernmeldedienste


Fernmeldedienste sind nur mehr anzeige-, nicht bewilligungspflichtig.


Ausnahme: der reservierte Fernmeldedienst Telefon (konzessionspflichtig)


7. Haftung bei Fernmeldediensten


Erbringer haften für die Besorgung von Fernmeldediensten für einen positiven (materiellen) Schaden, nicht für entgangenen Gewinn. Diese Bestimmung gilt für alle Fernmeldedienstleister, aber: Die PTV (als staatlicher Dienstleister für reservierte Dienste) haftet nur bei Vorsatz oder groberFahrlässigkeit.


Haftungshöhe je Ereignis öS 100.000.-, (in der Gesamtheit der Geschädigten 10 Mio. öS)


Ersatzpflicht entfällt bei Einhaltung der unter den Umständen gebotenen Sorgfaltspflicht.


8. Datenschutz


Unterscheidung der verwendeten Telekommunikationsdaten in Stammdaten, Vermittlungsdaten und Inhaltsdaten.


Daten dürfen nur zum Zwecke des Fernmeldedienstes ermittelt, verarbeitet, benützt oder übermittelt werden.


Übermittlung bedarf der Zustimmung des Teilnehmers.


Sonderregelungen für: Verwendung der Stammdaten Umfang der Daten des Teilnehmerverzeichnises Verwendungszweck der Vermittlungsdaten Verbot der Speicherung von Inhaltsdaten Durchführung von Fangschaltungen Form des Einzelentgeltnachweises


9. Aufsichtsrecht


Fernmeldeanlagen unterliegen der Aufsicht der Fernmeldebehörden


Organe der Fernmeldebehörden haben das Recht Grundstücke und Räume zu betreten, in denen sich Fernmeldeanlagen befinden oder sie vermutet werden.


Besteht der Verdacht einer Gefährdung von Personen oder einer Beschädigung von Sachen, dann können Haus-, Grundstücks-, Personen- oder Fahrzeugdurchsuchungen gemacht werden.


Die Beschreibung der Telekommunikationsdienste


Zur systematischen - technischen - Beschreibung der Telekommunikationsdienste haben sich mehrere Begriffspaare herausgebildet.


Unterscheidung in Träger- und Teledienst:


1) Trägerdienste: Das gesamte Netzwerk, die zugehörigen Übertragungsmethoden bis zur Steckdose an der Wand des Endverbrauchers.


2) Teledienste: Trägerdienste + den zugehörigen Endgeräten.


Beispiele:


(a) Trägerdienst: Wählleitungsnetz


Teledienst: Wählleitungsnetz + Telefonapparat = Telefondienst


(b) Trägerdienst: Datex-L


Teledienst: Datex-L-Netz + Datenendgerät = Teletex-Dienst


(c) Trägerdienst: Rundfunknetz + ORF-Produktionsstätten + ....


Teledienst: --'-- + Fernseh/Radio-Empfangsanlage = ORF-Programm


Unterscheidung in Einzel- und Zusatzdienst


Einzeldienste (Basisdiensten), die für sich allein existieren können, z.B.: Telefondienst, Fernschreibdienst, Datenvermittlung, ...


und


Zusatzdienste/Mehrwertdienste, die für ihren Betrieb Basisdienste benötigen.


Beispiele für Mehrwertdienste:


Personenweckruf (Wecken per Telefon)


Audiotex, Kiosk und Tonbandienste (Verkauf von Informationen per Telefon)


Telefonmarketing, Telebanking (Kontoführung mittels BTX oder Datenendgerät), ...


Tatsächlich erlauben diese Einteilungen keine vollständige Beschreibung der angebotenen Dienste. Es sind die Grenzen zwischen Basis- und Mehrwertdiensten fließend, bzw. in vielen Fällen bauen Mehrwertdienste wieder auf Mehrwertdienste auf usw.


Beispiel:


(a) Die Durchführung von Konferenzgesprächen ist sowohl im analogen, als auch im digitalen (OES(Oesterreichisches EinheitsSystem, die derzeit laufende Umstellung soll um 2000 mit 4,5 Mio. digitalen Anschlüssen im Wesentlichen abgeschlossen sein.) Telefonnetz möglich. Im analogen Telefonnetz mußtedie Konferenzschaltung bei der PTV in Auftrag gegeben werden und stellte einen typischen Mehrwertdienst der PTV dar. Im OES-System ist die Funktion Konferenzgespräch ein Leistungsmerkmal, das mit dem Teledienst Fernsprechen mitgeliefert wird und vom Teilnehmer selbst bedient wird.


(b) Im analogen Fernsprechnetz wird die digitale Datenübertragung den Trägersignalen für die Gesprächsübertragung aufmoduliert (MODEM (MODEM=Modulator-Demodulator, Umwandlung von digitalen Zeichen in analoge, sprachähnliche Frequenzen.). Die Datenübertragung ist also ein Zusatzdienst zurSprachübertragung. In einem intelligenten digitalen Netz werden die Sprachinformationen in digitale Zeichen umgewandelt und übertragen. Sprachübertragung ist in einem derartigen Netz nur ein mögliches Leistungsmerkmal unter anderen.


Infrastruktur - Netzwerk - Dienst


Als sehr praktikabel hat sich eine Dreiteilung bei der Analyse der Telekommunikationsstrukturen erwiesen:


1) Infrastrukturelle Einrichtungen:


Verkabelung


Umsetzer


Vermittlungsstationen


Alle Einrichtungen, die üblicherweise aus der Sicht des Benutzers ausgeblendet sind.


Charakterisiert sind diese Einrichtungen durch hohe Investitionskosten, es sind unbewegliche Güter, die auf langfristige Nutzung ausgelegt sind.


2) Benutzereinrichtungen (Endgeräte):


Sprachgeräte (Telefon)


Datenübertragungs- und -anzeigegeräte


Bilddarstellung


Speichermedien


Alle Geräte, die als Endbenutzergeräte die Schnittstelle zum Benutzer darstellen. Diese Geräte sind nicht ausschließlich funktional besetzt, sondern können auch sozialen oder psychologischen Wertungen unterliegen.


Charakterisiert sind diese Einrichtungen durch sinkende Kosten, hohe Mobilität, steigende Funktionalität, leichte Austauschbarkeit, leichte Verfügbarkeit, sie werden international arbeitsteilig gefertigt, sie werden in hohen Stückkosten angefertigt, sind beliebig verbindbar und unterliegen Moden (=vorzeitigen Abnutzungen).


3) Serviceorientierte Einrichtungen (services und value added services, Dienste und Mehrwertdienste), Dienste im engeren Sinn:


Just-in-time


Electronic-Mail (Teleboxen, Voice-boxen)


sprechen ('telefonieren')


News-Dienste


Bild/Faksimile-Übertragung, zeitgleich oder zeitversetzt


Diskussionsforen


EDI (Strukturierter Datenaustausch)


Filetransfer


Datenbank-Zugriff


virtuelles Privatnetz


Telemetrie


EFT (Electronic Funds Transfer, SWIFT)


Point of Sale - Bankdienste


Homebanking


EDV-Wartung/Kundensupport


Netzwerk-Management-Dienste, Protokollkonvertierung/Gateway


Es sind dies die eigentlichen Anwendungen, für die der private und kommerzielle Benutzer bereit ist, Geld auszugeben. Diese Dienste stellen seine subjektive Bedürfnisbefriedigung sicher.


Dieser Bereich ist durch ständige Verbesserung der Dienste, durch die ständige Vermehrung, die Automatisierung der Dienste und das Durchdringen immer weiterer Lebensbereiche (Beruf, Freizeit, Konsum) charakterisiert. Welche Endgeräte und welche Netzwerke dabei genutzt werden, tritt für den Benutzermehr und mehr in den Hintergrund bzw. er wünscht aus einer möglichst großen Zahl von gleichartigen Diensten den für ihn optimalen auswählen zu können, möglichst ohne auf vorhandene Endgeräte und Netzwerke Rücksicht nehmen zu müssen.


Im Lichte dieser Gliederung ergeben sich neue Rollenverteilungen bei der Organisation der Telekommunikation. Statt des bisherigen, meist gerätespezifischen Regelungsansatzes, wie er etwa in den verschiedenen österreichischen Fernmeldeordnungen zu Ausdruck kommt, wird die Funktionalität deranzubietenden Dienste geregelt. Aufgrund der abstrakt zu definierenden Dienste müssen grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden, wie die Dienst-Integration realisiert werden soll.


Dabei stehen zwei Konzepte zur Auswahl:


a) stimulus-mode-Konzept:


Das realisierte Netz fragt Teilnehmerwünsche ab, das Endgerät 'formuliert' diese Wünsche, die Intelligenz der angebotenen Dienste liegt im Netz. Dieses Konzept begünstigt den Netzwerkbetreiber.


b) functional-mode-Konzept ('Subsidiaritätsprinzip'):


Die Endgeräte übernehmen ein Maximum der Dienstleistungen, nicht erfüllbare Dienstleistungen werden von einzelnen spezialisierten Dienstleistungsknoten realisert, nur die ansonsten nicht erfüllbaren (oder nur unwirtschaftlich erfüllbaren) Anforderungen, wie Signalgebung, werden vom Netz erbracht.Das Netz übernimmt nur mehr Botenfunktion, ohne Kenntnis der Informationsinhalte. Die Intelligenz der angebotenen Dienste liegt in Endgeräten und bei spezialiserten Teilnehmern.


In der theoretischen Konzeption ist das Modell (b) weltweit im Vormarsch. Bei der Realisierung neuer Netzwerke (z.B.: ISDN (Integrated Services Digital Network (Netzwerk mit Dienstintegration, Weiterentwicklung des digitalen Telefonnetzes)), GSM (Global System for Mobile Communications(Paneuropäisches Mobilfunknetz))) wird nach wie vor das Modell (a) bevorzugt. Letztlich sichert nur (a) staatliche Zugriffsmöglichkeiten auf die Dateninhalte (Problem des Datenschutzes und der Datensicherheit).


Wer diese Dienste tatsächlich erbringt, der Netzwerkbetreiber, private Industrieunternehmen aus dem Bereich der Endgeräteerzeuger oder Dritte Dienstleistungsunternehmen, die sich auf einzelne Dienste spezialisiert haben, bliebe offen. Die Realisierung von Diensten wäre dann nicht quasi'naturgesetzlich' einem der Bereiche (Netz/Endgerät/Dienstleister) zuzuordnen. Die tatsächlichen Dienstlösungen wären dann Ausdruck der realen Interessens-, Macht- und Marktverhältnisse.


Zusammenfassung


Im Zusammenhang mit der Diensteerbringung ergeben sich drei Entwicklungsszenarien:


a) monopolartige Struktur [vergleichbar der heutigen Telekommunkationsszene in Österreich],


b) streng reglementiert oder


c) privatwirtschaftlich-liberal [vergleichbar der Telekommunikationslandschaft in den USA].


(a) Beibehaltung des Status quo (= 'Monopol')


Ausschließlich die staatliche Post betreibt das Telekommunikationsnetz (1), eine staatliche Behörde reguliert über die Zulassung den Endgerätemarkt (2) und ist der einzige nennenswerte Anbieter frei mietbarer Dienste (3).


Aus heutiger Sicht ergeben sich folgende praktische Einschränkungen eines derartigen Modells:


Inhouse-Netze sind der faktischen Kontolle der PTV entzogen (rechtlich wird auch im neuen Fernmeldegesetz am Hausdurchsuchungsrecht festgehalten!). Bei den vermieteten Standleitungen für private EDV-Netze hat die Post faktisch keine Eingriff- und Kontrollmöglichkeiten, ob sie widmungsgemäß verwendetwerden.


Die monopolisierte Endgerätezulassung wird nicht akzeptiert und ist nicht mehr exekutierbar. Nicht postgenehmigte Endegeräte, z.B.: MODEMS überschwemmen das öffentliche Netz.


Benutzer und Anbieter weichen in private Datennetze aus, gewinnbringende Mehrwertdienste werden über diese Datennetze aus dem Ausland erbracht.


(b) Wettbewerb in der Diensterbringung (= 'Liberalisierung')


Im Zusammenhang mit Liberalisierung müssen die drei Ebenen 'Dienste', 'Endgeräte', 'Netzwerk' differenziert betrachtet werden. Was soll freigegeben werden?


Freigabe 'Dienste'


Freigabe 'Endgeräte'


Freigabe 'Netzwerk'


Da die 'Endgeräte' generell für den internationalen Markt produziert werden, ist bei Liberalisierung mit einem drastischen Preisverfall zu rechnen. Dies muß als wichtiger Impuls für eine Reorganisation des Kommunikationsverhaltens im Wirtschaftsbereich angesehen werden.


Bei 'Dienstleistungen' bieten sich zwei Gründe für eine rasche Freigabe an:


a) Lokale, spezialisierte Dienstleistungen können bei geringem Kapitaleinsatz von kleinen Unternehmen übernommen werden ('Weckdienst' bis 'Datenschutzagenden')


b) Standardisierte Dienstleistungen (z. B. Finanztransaktionen) werden internationalisiert und dadurch wesentlich verbilligt angeboten.


Nutzung der wichtigsten Telekommunikationsdienste in Österreich


Teledienste:


Telefon (analog, digital): 3,5 Mio.


BTX: 16.909


Telefax: ca. 220.000


Telex: 12.813


Teletex: 546


Mobiltelefon (C-D): 182.497


Pager (Personenruf): 89.180


Nebenstellenanlage: 108.000


Trägerdienste:


Wählleitungsnetz: 3,5 Mio.


Datex-P: 14.483


Datex-L: 139


Stand- und Mietleitungen: 80.000


Integrierte Dienste


ISDN: ca. 200


Zusatzdienste (Beispiele aus Bereich Telefon):


Audiodienst-Anbieter: ca. 30


0660-Nummern-Anbieter: 2.176


Postfax/Telepost: 501


Bezüglich der Nutzung von Zusatzdiensten existieren keine offiziellen Zahlen, entsprechende Markterhebungen sind ebenfalls nur ansatzweise verfügbar.


(Teilnehmerzahlen Stand März 1993)


Eine Freigabe im Bereich 'Netzwerk' wird kurzfristig keine Änderungen des Status Quo bewirken. Mittel- und langfristig werden aber eine Reihe von Unternehmen ihre vorhandenen Netzwerkkapazitäten zu Kommunikationszwecken anbieten (z.B.: Kabel-TV-Gesellschaften, Straßenverwaltungen, Bundesbahnen,Elektrizitätsversorger). Im bestehenden Kabel-TV-Netz ist technisch die Zweiwegkommunikation leicht durch Änderung der Übertragungseinrichtung zu realisieren. Auch die TV-Sendeanstalten könnten als Tele-Kommunikationsanbieter (inkl. 2-Weg-Kommunikation) auftreten. Probeweise bieten Sendeanstaltenheute schon über Austastlücken ( = Zeitspanne zwischen den Sendesignalen von zwei Bildern) den Dienst Dateitransfer an: Pro7, SRF, ...


Langfristig sind auch extraterrestrische Lösungen in Form der Direkt-Satelliten-Kommunikation denkbar (z.B. Motorola's IRIDIUM (Motorola plant die Installation von 77 erdnah kreisenden Satelliten (daher der Name IRIDIUM, da dieses Element die Atomzahl 77 hat). Diese Satelliten sind nichtgeostationär positioniert, umkreisen in ca. 400 km Höhe über die Pole die Erde. Dabei wird immer gewährleistet, daß die Versorgungsgebiete immer von einem Satelliten erreicht werden. Verschwindet ein Satellit am Horizont, werden die entsprechenden Gespräche automatisch einem anderen Satellitenübergeben. Durch diese Konstruktion sind extrem kleine Satellitenfunkgeräte möglich (nicht größer als heutige konventionelle Hand-Mobiltelefone)- System).


(c) Regulierung der Dienstqualität, Wettbewerb in der Diensterbringung (= 'Regelung')


Den Nachteilen der monopolartigen Struktur (überhöhte Benutzerkosten und zu langsames Reagieren auf neue Benutzerbedürfnisse) stehen die Nachteile des laissez-affaire (mangelnde Standardisierung, fehlende flächendeckende Versorgung) gegenüber.


Der Mittelweg, Telekommunikationsdienste abstrakt und mittels strenger Qualitätsnormen zu definieren, ansonsten aber die Realisierung freizugeben, wird erst schrittweise in Europa versucht (Ansätze in den Niederlanden und in Deutschland).


Netzwerksituation


Bei den Telekommunikationsnetzen wird organisatorisch zwischen den Endverbrauchsnetzen und den Vermittlungsnetzen (Overlay-Netze) unterschieden.


Endverbrauchsnetze müssen in sehr großen Kabellängen bis zum Benutzer verlegt werden, im Standardfall ist jedoch die Übertragungskapazität gering. Ausfälle haben ebenfalls nur lokale (benutzerspezifische) Bedeutung.


Overlaynetze organisieren die Datenübertragung zwischen den Vermittlungseinrichtungen, sie sind durch sehr hohe Übertragungsgeschwindigkeiten, großen Übertragungskapazitäten und sehr hohe Ausfallssicherheit gekennzeichnet.


Endverbrauchsnetze:


Wählleitungsnetz


Übertragungsgeschwindigkeit: 300 - 3400 Hz (1) (analoges System)


Telex-Netz


Übertragungsgeschwindigkeit: 50 Zeichen/s


Daten-Netze


Datex-P: 300 - 64.000 bit/s


Datex-L: 300 - 64.000 bit/s


Digitale Stromwege: 64 kbit/s - 2048 kbit/s


ISDN: 144 kbit/s bzw. 2 Mbit/s


Endverbraucher-Funknetze


Rundfunk: Trägerfrequenz-Bereich (2) 100 MHz


Fernsehen: Trägerfrequenz-Bereich 200 MHz


Autotelefon B: Trägerfrequenz-Bereich 150 MHz


Autotelefon C: Trägerfrequenz-Bereich 450 MHz


Mobiltelefon D: Trägerfrequenz-Bereich 900 MHz


Overlay-Netze


Ö-Netz der PTV


Richtfunknetz: Trägerfrequenz-Bereich 7 GHz


Glasfasernetz: Übertragungsrate 34 - 565 Mbit/s


Koax-Netz: Übertragungsrate 34 - 565 Mbit/s


(1) Hz = Schwingungen pro sec, Mbit/s = Millionen binäre Einheiten je sec, werden analoge Signale digitalisiert übertragen, dann kann als Anhaltspunkt gelten: je HZ sind 8 bit/s an Information notwendig, z. B.: für einwandfreie Sprachübertragung wird mit 8 kHz gerechnet, das sind 64 kbit/s.


(2) Die Trägerfrequenz darf nicht mit der Übertragungsbandbreite verwechselt werden. So beträgt ein typisches VHS-Fernsehkanalband 5 MHz, dies ist die tatsächliche Informationsmenge, die übermittelt wird.


Die untenstehende Abbildung zeigt die grundsätzliche Konfiguration des PTV-Netzes ('Post-Wolke').


Neben dem öffentlichen Netzen haben sich besonders im Bereich der Datendienstleistungen eine Fülle privat organisierter Netze etabliert.





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