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1991/12/31 A Min Toja u.a., Softwaregestaltung aus Arbeitnehmersicht
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Diese von der Gewerkschaft der Privatangestellten herausgegebene Broschüre befaßt sich mit den Problemen der Software-Ergonomie. Damit wird, spät aber doch, die Auseinandersetzung mit Computer und Arbeitsplatz um einen wesentlichen, letztlich den wesentlichen Bereich erweitert. Bisher standen,oftmals wenig fruchtbringend, Betrachtungen der Arbeitsplatz-Ergonomie im Blickfeld der Arbeitnehmervertreter. Um Grade beim Blickwinkel auf den Bildschirm, um Millimeter in der Bildschirmgröße und um die Außenabmessungen der Tastaturen wurde gerungen und gefeilscht. Übersehen wurde dabei, daß dieseAngaben nur für eine ganz kleine (und immer kleiner werdende) Gruppe von EDV-Personal von Bedeutung ist, nämlich den ausschließlichen Datenerfassern (in der Regel Frauen).

Für alle anderen, die Wissenschafter, Sachbearbeiter und Sekräterinnen, bildete zwar der Computer einen immer wichtigeren, aber bei weitem nicht ausschließlichen Bestandteil  des Arbeitsplatzes. Für diese Personen standen (und stehen) ganz andere Kriterien bei der Beurteilung ihres Arbeitsplatzes imVordergrund. Durchschaubarkeit und leichte Handhabbarkeit der Anwendungsprogramme und EDV-Systeme, die Konsistenz von Funktionen innerhalb eines Systems und eine fundierte Einschulung waren weitaus wichtigere Kriterien. Lange Zeit schwieg die Gewerkschaft zu diesem Problemkreis. Wohl auch auf Grundder extremen Unübersichtlichkeit des Softwaremarktes mit seinen hunderten Systemprogrammen, tausenden Standardprogrammen und hundertausenden Anwendungsprogrammen.

Aus diesen Gründen ist die vorliegende Broschüre als wesentlicher Beitrag zur Diskussion um den Computer am Arbeitsplatz zu würdigen. Leider verschreibt sich die Broschüre einer Themenstellung, die im Rahmen des Software-Engineerings, praktisch nur im deutschsprachigen Raum von relevanter Bedeutungist, der Software-Ergonomie.

Software-Engineering ist ein NATO-Begriff, entstanden um 1974, als die Militärs feststellten, daß ihre Anwendungsprogramme immer undurchschaubarer wurden, nicht mehr wartbar waren, viele Fehler hatten und eine Abhängigkeit zu jenen Personen entstand, die diese Programme ursprünglich geschriebenhatten. Diese Abhängigkeitsverhältnisse, von den Programmieren letztlich als Arbeitsplatzsicherung genutzt, waren für die Auftraggeber von Software unakzeptabel. Es wurden daher Methoden diskutiert und auch zu entwickeln versucht, die es erlauben schneller, fehlerfreier, transparenter und auchbenutzerfreundlicher als bisher, EDV-Programme zu schreiben. Einer der Aspekte war dabei auch die Oberfläche, die die EDV-Programme dem Endbenutzer boten.

Als Oberfäche sind alle Programmteile zu verstehen, die in Form von Bildschirmmasken oder Reports für den Endbenutzer bestimmt sind. Aus der Diskussion um die "optimale" Gestaltung der "Benutzeroberflächen" entstand dann im deutschsprachigen Raum die Software-Ergonomie-Diskussion.

Um die Ergebnisse vorwegzunehmen: Beide Konzepte, Software-Engineering und Software-Ergonomie, müssen heute als gescheitert angesehen werden.

Es stellte sich heraus, daß die Softwaregestaltung viel stärker als ursprünglich angenommen, vom Beziehungsdreieck Auftraggeber-Programmierer-Endbenutzer abhängen, daß bei genügender Transparenz in dieser Beziehung oft Software-Lösungen akzeptiert und auch als sinnvoll und angenehm eingestuftwerden, die aus ergonomischer oder Engineering-Sicht schlicht katastrophal sind. Auch das umgekehrte Phänomen konnte beobachtet werden.

Leider geht die vorliegende Broschüre auf diese Phänomene nicht ein. Auch die heute existierenden Alternativkonzepte werden nicht entsprechend gewürdigt. Damit besteht - aus der Sicht der Arbeitnehmervertretung - die Gefahr, daß wiederum nur ein Randbereich des Komplexes Computerarbeitsplatzbehandelt wird. Trotz dieser, für den Bereich Software-Ergonomie sehr informativen Broschüre, sollten die Arbeitnehmervertreter rasch und umfassend die Diskussion um die Arbeitsmitgestaltung am Computerarbeitsplatz intensivieren. Kompetente und (edv-)firmenunabhängige Personen und Organisationen zudiesem Thema gibt es in Österreich genügend.

Softwaregestaltung aus Arbeitnehmersicht, Gewerkschaft der Privatangestellten [Hrsg.], Wien 1988, 44 S. Kostenfrei zu beziehen bei: GPA, 1010 Wien, Deutschmeisterplatz 2.




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