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2001/10/26 BigBrotherAwards 2001 - The Winners
BBA-Austria Preise verliehen - POST AG holt Preis persönlich ab - MICROSOFT nicht unter den Gewinnern - WESTENTHALER schon

Am Nationalfeiertag war es wieder so weit. Im g'steckt vollem FLEX wurden die diesjährigen Gewinner der BigBrotherAwards präsentiert.

Prämiert wurden jene Personen und Organisationen, die sich in der Vergangenheit besondere Verdienste um Eingriffe in die Privatsphäre verdient gemacht haben.

Heuer gab es aber auch eine Premiere. Einer der Preisträger, Walter Trezek, seines Zeichens Geschäftsführer Direktmarketing bei der POST AG war persönlich gekommen, die Trophäe, einen schlichten Zylinder mit lebenden - argentinischen - Kakerlaken, entgegen zu nehmen. In einem kurzen Statement vermerkte er, dass allen Vorwürfen konsequent nachgegangen wird und man bereit sei in Zukunft, gemeinsam mit der ARGE DATEN, in einem Monitoringverfahren Fehlentwicklungen zu verhindern.

Dr. Hans G. Zeger, Obmann ARGE DATEN: 'Auch wenn der Anlass der Preisverleihung nicht berauschend ist, muss dem Verhalten des Preisträgers persönlicher Respekt gezollt werden. Wir hoffen, daß den Versprechen Taten folgen werden und wir werden über die Entwicklung bei der POST AG genau und kritisch berichten. Die anderen Preisträger können sich dieses Verhalten zum Vorbild nehmen und in Zukunft mehr mit dem BBAA-Komitee zusammenarbeiten.'

Und das sind die Gewinner:

KATEGORIE TELE[KOMMUNIKATION] | MARKETING
POST AG: Die Post AG ist Großkunde bei und Großhändler für Schober und bietet ihren Kunden auf Basis der Schober-Datenbanken ein Direktmarketing-Paket ['Info-Mail-Select'] an. Schober, bereits 1999 ausgezeichnet, verfügt über Daten 'von allen 5,5 Millionen erwachsenen Privatpersonen in Österreich mit bis zu 100 marketing-relevanten Merkmalen pro Person.' Zur Erlangung dieser Daten täuscht man den Kunden unter anderem mit Datenerhebungsbögen Amtlichkeit vor. Zusätzlich bemerkenswert fand die Jury den eigenartigen Umgang der Post AG mit Auskünften über ihre Kunden bei Anfragen von Dritten wie etwa Inkassobüros. Auskünfte über geleerte/ nicht geleerte Brief- und Hauspostfächer und anderes sind bereitwillig und einfach zu erhalten. Ganz offensichtlich werden Briefträger auch als 'Detektive' eingesetzt, um mit derselben Methode zu kontrollieren, ob krank geschriebene Mitarbeiter der Post AG tatsächlich zu Hause sind.

KATEGORIE BEHÖRDEN | VERWALTUNG
KRIPO-CHEF HEDWIG HAIDINGER:
Gewürdigt wird Kripo-Chef Herwig Haidinger für die wiederholte, öffentliche Verharmlosung der Überwachungs-Schnittstellen in der Überwachungsverordnung. Dass sich der Kripo-Chef zudem die entsprechende Verordnung zum Einbau von Schnittstellen für den E-Mailverkehr auszudehnen vorstellen kann, war abzusehen.

KATEGORIE POLITIK
GERHARD KÖFER: 'Außergewöhnliche Entwicklungen gegen die Gesundheit unserer Kinder erfordern außergewöhnliche Maßnahmen', so begründet Gerhard Köfer [SPÖ], Bürgermeister von Spittal an der Drau seine Kopfgeld-Aktion. Er werde mit der Gendarmerie und den Verwaltungsbehörden eine Anlaufstelle schaffen, wo auch anonyme Hinweise angenommen werden. Köfers Idee: Jeder Bürger, der der Polizei Hinweise auf mutmaßliche Drogendealer gibt, soll 5.000 Schilling erhalten, Sponsoren sollen örtliche Unternehmen sein.

KATEGORIE BUSINESS | FINANZEN
ARS ELECTRONICA:
Für ihren unkritischen und unreflektierten EInsatz eines Fingererkennungssystems auf einer Veranstaltung, die sich eigentlich um Kunst und Zukunft, globalen Trends und deren Folgen auseinandersetzen sollte. Damit lieferte die ARS ELECTRONICA einen Beitrag zur Verharmlosung einer sensiblen Technologie, der eher auf einer Computermesse, als im künstlerischen Kontext gepasst hätte. An der Verharmlosung mitbeteiligt war die Mobilkom, die Kauf von Entrittskarten per Handy und anschließender Registrierung durch Fingerscan nur die 'Verbindung von zwei flexiblen und bequemen Technologien' zum 'komfortablen und sicheren 'mCommerce mit ekey' sehen wollte. Die Mobilkom verpricht sich genauere Profile des Kundenstamms durch ein biometrisches Fingerscan-System zur Identifikation namens 'ekey', das ein Konsortium unter der Führung der VA Linz entwickelt. Dort sollen die Abdrücke in einer Datenbank zentral gespeichert werden.

KATEGORIE LIFETIME
KARL ISAMBERTH: Der Gewinner ist Karl Isamberth, der langjährige Projektleiter für alle Großzählungen bei der Statistik Austria. Isamberth war nicht nur für die Volkszählung zuständig, sondern er ist auch für das bereits erwähnte Monsterprojekt Bildungsevidenz verantwortlich. Isamberth hat es nachgerade meisterhaft verstanden, die sozial höchst gefährliche Vernetzung ungeheurer Datenmengen in Großdatenbanken öffentlich herunter zu spielen. Ein Beispiel wie dies funktioniert: Eine den Daten zugeordnete individuelle Codenummer, die nur dazu dient, den Besitzer der Daten eindeutiger zu identifizieren als es sein bloßer Name täte, wird völlig irreführender Weise als Sicherung der Daten durch Verschlüsselung und Anonymisierung bezeichnet.

KATEGORIE PUBLIC AWARD
PETER WESTENTHALER:
Lange Zeit lieferte sich sein FINGERABDRUCK-Sager ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der BILDUNGSDATENBANK der Frau Bundesminister GEHRER. Letztlich hatte seine Idee, alle Österreicher zu potentiellen Terroristen zu deklarieren und daher erkennungsdienstlich zu behandeln, die nachhaltigere Wirkung. Mit Herrn Peter Westenthaler erhielt ein politischer Zündler verdientermaßen den Publikumsaward.

Nicht unter den Gewinnern befand sich MICROSOFT, die trotz gezielter Marketingkampagne (das umstrittene XP-Betriebssystem wurde einen Tag VOR der BigBrother-Preisverleihung öffentlich vorgestellt) und heftigster Interventionen bei den BBA-Veranstaltern in Österreich und Großbritannien als - noch - nicht preiswürdig angesehen wurden.

Dr. Hans G. Zeger: 'Auch wenn die Preise selbst keinen Anlaß zur Freude geben, können wir feststellen, daß die BigBrotherAwards die Themen Privatsphäre und Bürgerrechte in zeitgemäßer Form in das Bewustsein der Öffentlichkeit rücken. Die Preise wurden heuer zum dritten Mal in Österreich vergeben, die Zahl der Kandidaten und der Publikumsnennungen war so groß wie nie zuvor. Gleichzeitig haben aber viele Gespräche mit Verantwortlichen gezeigt, daß der Wille die Privatsphäre zu respektieren und sorgfältiger als bisher mit Daten umzugehen, steigt. Wir werden die Entwicklung sehr genau beobachten und als ARGE DATEN an einem Monitoringverfahren arbeiten, daß es in Zukunft den Bürgern leichter erlaubt, Verletzer der Privatsphäre leichter von den seriösen Behörden und Unternehmen zu unterscheiden.'


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