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2006/01/16 SMS-Fahndung - nichts dazugelernt
Grazer SMS-Fahndungs-Modell scheiterte - wie übrigens alle internationalen Vorgänger-Versuche - Wien hinkt hinterher und startet neuen Versuch - befriedigt wird nur populistischer Aktionismus einiger Politiker

Grazer SMS-Fahndungs-Modell scheiterte

Die vor einem Jahr mit großem medialem Aufwand gestartete Grazer SMS-Fahndung wird nun eingestellt. Zu ineffizient, zu hohe Kosten, damit folgte das AUS für das Projekt. Gar nicht überraschend, hätte man doch bloß internationale Erfahrungen berücksichtigen müssen.


SMS-Fahndung auch international erfolglos

Schon im Dezember 2004, also vor dem Grazer Fahndungsbeginn stellte München die SMS-Fahndung wieder ein. Bloß 1132 Bürger hatten 20 Mal zur Täterjagd geblasen.


Wien übt sich in Zweckoptimismus

Während international das Experiment SMS-Fahndung längst gescheitert ist, üben sich Wiener Sicherheitsbehörden unter dem Kürzel "HAPO" in Zweckoptimismus und versuchen das Spielzeug SMS-Fahndung am Leben zu erhalten.

In Kooperation mit Händlern diverser Einkaufsstraßen wird zur Täterjagd animiert. Die Polizei warnt Händler eines Gebietes, dass in der Gegend ein Ladendiebstahl, Falschgeld oder ähnliches aufgetaucht ist. Die Empfänger der SMS-Nachricht sollen sich dann vor dem Delikt schützen. Was anderes gemacht wird, als ohne SMS-Verständigung bleibt im Dunkeln.

Offiziell wird von Erfolgen gesprochen, konkrete Zahlen werden jedoch nicht veröffentlicht. Da das Projekt - nach Eigendefinition - nur zur Händlerprävention eingesetzt wird, wurden vorsorglich mögliche Erfolgsparameter (etwa Zahl von gefassten Tätern) vermieden.


Warum muss SMS-Fahndung scheitern?

Einerseits sind es die hohen Kosten, die sich durch Verteilung und Verwaltung der SMS summieren, wobei der höchste Anteil bei den sogenannten indirekten Kosten liegt, also im Administrationsaufwand bei Polizei und Händlern, dass tatsächlich eine Täter- oder Deliktwarnung an die verantwortlichen Personen gelangt.

Andererseits besteht eine geringe Effizienz. Entsprechende SMS-Warnungen oder Hinweise kommen bei der Polizei bzw. bei Händlern zu spät an. Sei es, dass ein Delikt zu spät erkannt wird, sei es dass in einem Deliktfall andere Sorgen bestehen, als SMS zu verschicken und so das Warn-SMS vergessen wird. Nur in großen Ballungsräumen mit sehr vielen Geschäften und "dummen" Diebsbanden, die einfach ein Geschäft nach dem anderen abklappern, könnte ein derartiges System funktionieren.

Letztlich muss jedoch auch die Zuverlässigkeit der Angaben hinterfragt werden. Nicht jeder Verdachtsfall ist auch tatsächlich ein Deliktfall. Blinde Alarme verursachen beträchltiche Kosten und damit Schäden und nutzen auch die Aufmerksamkeit bei diesem Instrument ab. Oder wer dreht sich heute noch um, wenn die Alarmanlage eines PKWs lärmt?


Emotionale Beruhigungspille

Nicht zu unterschätzen sind jedoch psychologische Faktoren, appelliert ja die SMS-Fahndung, vergleichbar dem alten "Aktenzeichen-XY" an niedere Jagdinstinkte und forciert die Bereitschaft zur Vernaderung. Das Instrument SMS-Fahndung ist durch seine leichte Verfügbarkeit ein äußerst wirksames Mittel zur permanenten Mobilisierung. Für jede - eingebildete oder tatsächliche - Gefährdung gibt es das "billige" Ventil der SMS-Anzeige, verunsicherte Menschen können damit ihre Unsicherheit kanalisieren, "Verdächtiges" melden und schaffen damit wiederum die Rechtfertigung für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. Die Anzeigen und damit die "Kriminalität" steigen, was wiederum Bestätigung für noch mehr Wachsamkeit ist. Daher sind bei derartigen Instrumenten Schneeballeffekte und regelkreisstimulierte Nutzung (sich selbst bestätigendes Verhalten) zu beobachten.

In Milieus in denen Panikmache und Vernaderung zum guten Ton gehören, wird daher die SMS-Fahndung auch weiterhin gesellschaftsfähig bleiben. Unabhängig vom Erfolg.

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