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2013/09/12 Mund halten oder Meinung sagen? Das österreichische Dilemma!
Autor: Prof. Dr. Thomas Chorherr
In seinem Buch "Mund halten oder Meinung sagen" nimmt Thomas Chorherr eine aktuelle IMAS-Umfrage zum Anlass um auf sein langes Wirken in der österreichischen Medienwelt zurückzublicken und geht dabei hart mit seinen Landsleuten ins Gericht.

65% der Österreicherinnen und Österreicher hatten bei einer Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts (IMAS 2012) angegeben, dass sie nicht ohne Scheu über politische, kulturelle oder geschichtliche Dinge reden. Sie fürchten Nachteile, wenn sie ihre Meinung frei äußern.

Unter den Themen, die die Befragten lieber meiden als beantworten steht an erster Stelle die Ausländerpolitik, an zweiter Stelle politische Meinungsäußerung und an dritter Stelle die Punkte Nationalsozialismus, Juden KZ-Verbrechen, Rassismus...

Anhand von zahlreichen konkreten Beispielen aus seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit als Chefredakteur der Presse und Vizepräsident des Presseclubs Concordia, illustriert der Autor, dass an die Stelle von Zivilcourage, die in seinem Land zur Rarität geworden sie, immer öfter die Frage "kanns mir schaden" tritt. Das "nur nicht anecken, nur nicht auffallen" seiner Zeitgenossen ruft im Autor Erinnerungen an die Zeit wach, die er als Kind selbst erleben musste, die NS-Zeit.

"Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Meinungsübernehmer hier größer ist als in einer anderen Demokratie. Es hat den Anschein, dass die Menschen in Österreich glauben was sie glauben sollen - und das bezieht sich beileibe nicht auf das Religionsgeheimnis" (S.155).

Das Zeitalter der Vorratsdatenspeicherung und der digitalen Bespitzelung sieht der Autor mit Sorge. Staatsgrundgesetz und Menschenrechtskonvention die uns vor der Willkür der Behörden schützen sollten, würden immer öfter umgangen "Ist der nächste Schritt die Einführung einer Gedankenpolizei, wie sie George Orwell in seinem Zukunftsroman 1984 vorausgesehen hat?" fragt Chorherr.

Der Autor setzt sich für Aufdeckerjournalismus ein: "Ja, Geheimnisse zu offenbaren erfordert Verantwortung....Aufdecker neigen zum Einzelkämpfertum. Sie brauchen Supervision, mehr Ressourcen und mehr Vernetzung" (S.72). Dazu bringt er Beispiele aus den ihm bekannten Printmedien. Parallelen zu Whistleblowing und den allgegenwärtigen digitalen Aufdeckungsnetzwerken zieht Chorherr nicht. Ob sich Chorherrs These auch auf die Welt der sozialen Netzwerke anwenden lässt muss der Leser selbst entscheiden.


Prof. Dr. Thomas Chorherr. "Mund halten oder Meinung sagen?". Wien 2012. 160 Seiten. 16,99 €. ISBN: 978-3-85485-306-0. Molden Verlag: http://moldenverlag.styriabooks.at/article/3998


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